Von der Anfrage eines deutschen Kunden zur Lösung

Viele deutsche Erzeuger und Verarbeiter gehen automatisch davon aus, dass niederländische Maschinenbauer ihre Lösungen hauptsächlich für den niederländischen Markt entwickeln. Und ehrlich gesagt: Früher hatten sie damit durchaus recht.
Nehmen wir beispielsweise die Größe von Großkisten. In den Niederlanden sind Großkisten mit einer Breite von 1,60 Metern weit verbreitet. In Deutschland hingegen sind Großkisten mit einer Breite von 2,25 oder sogar 2,40 Metern Standard. Das mag auf den ersten Blick wie ein kleiner Unterschied erscheinen, für einen Maschinenbauer bedeutet es jedoch eine völlig andere Ausgangssituation.
Genau deshalb haben wir bereits vor einigen Jahren begonnen, den Signalen aus dem deutschen Markt aufmerksam zuzuhören.
Von Kunden und unserem deutschen Händler Muss Agrartechnik erhielten wir immer häufiger dieselbe Frage: Können Sie auch Lösungen für unsere größeren Kisten entwickeln? Die kurze Antwort lautete: Ja. Die ausführlichere Antwort erwies sich als wesentlich komplizierter.
Eine größere Großkiste erfordert nämlich nicht einfach nur eine größere Maschine. Die Konstruktion der Großkiste unterscheidet sich. Häufig befindet sich in der Mitte eine Gewindestange zur zusätzlichen Stabilisierung. Auch die tragende Konstruktion ist anders. Darüber hinaus unterscheiden sich die Art und Weise, wie die Großkisten befüllt, transportiert und gestapelt werden.
Deshalb konnten unsere bestehenden Maschinen nicht einfach angepasst oder vergrößert werden.
Was zunächst nach einigen technischen Anpassungen aussah, entwickelte sich schnell zu einer kompletten Neuentwicklung. Der Aufgabebunker musste verbreitert werden. Die Befüllsysteme mussten neu konstruiert werden. Die Greifer zum Aufnehmen der Großkisten wurden vollständig neu entwickelt. Und nachdem diese Komponenten geändert waren, mussten auch die Stapler- und Puffersysteme entsprechend angepasst werden.
Vielleicht noch wichtiger war jedoch, dass am Ende alle Komponenten weiterhin perfekt zusammenarbeiten mussten.
Insgesamt dauerte dieser Entwicklungsprozess rund acht Monate. Nicht, weil wir etwas völlig Neues erfinden wollten, sondern weil wir eine bewährte Maschinenphilosophie auf die Anforderungen eines anderen Marktes übertragen wollten.
Dieses Projekt hat erneut bestätigt, woran wir bei VHM fest glauben: Eine Maschine funktioniert niemals isoliert. Ein Großkistenfüller muss nahtlos mit einem Stapler zusammenarbeiten. Der Stapler muss optimal in das Puffersystem integriert sein. Und das Puffersystem wiederum muss zu einem effizienten Materialfluss beitragen.
Deshalb setzen wir konsequent auf modulare Lösungen.
Unsere Kunden können mit einer überschaubaren Investition beginnen und ihre Anlage später Schritt für Schritt durch zusätzliche Module erweitern. Dadurch bleiben Investitionen kalkulierbar und das System wächst mit den Anforderungen des Unternehmens.
Dies zeigt sich auch bei Projekten wie Europlant in Deutschland. Dort übernehmen wir die Kistenlogistik rund um eine moderne Sortieranlage. Durch intelligente Automatisierung sind viele unnötige Gabelstaplerfahrten entfallen, und leere Kisten werden nicht mehr unnötig bewegt. Das Ergebnis sind höhere Kapazität, mehr Effizienz und weniger Arbeitsschritte.
Es überrascht daher nicht, dass das Interesse aus Deutschland kontinuierlich wächst.
Dennoch wissen viele deutsche Erzeuger und Verarbeiter noch immer nicht, dass VHM inzwischen Lösungen für Großkisten mit Breiten von 1,60, 1,80, 2,25 und 2,40 Metern anbietet.
Und genau das ist schade. Denn vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis, die wir aus der Entwicklung für die 2,40 Meter breite deutsche Großkiste gewonnen haben, diese: Wer seinen Kunden wirklich zuhört, entdeckt Chancen, auf die man im Büro niemals gekommen wäre.
Johan Kikstra
, kaufmännischer Leiter bei VHM Machinery
